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18.07.2010 - Challenge Roth

 

Ironman-Impressionen

von Gerhard Neye

Glücklich mit dem Vize Titel bei den Deutschen Meisterschaften in der Triathlon-Ironman-Distanz.

Eigentlich ist ja Sommerzeit gleich Tenniszeit, aber sie ist ebenso Triathlonzeit. In den letzten Jahren haben sich meine sportlichen Aktivitäten immer mehr zum Triathlon-Sport verlagert. Das heißt aber nicht, dass kein Tennis mehr gespielt wird.

Wer Triathlon hört, verbindet das sofort mit dem wohl bekanntesten Triathlon-Event, dem Hawaii-Triathlon. Doch um es bis dahin zu schaffen, bleibt  für die meisten Triathleten ein Traum, denn die Qualifikationsanforderungen, um dort einen Startplatz zu ergattern, sind sehr hoch.

In Deutschland ist der populärste und größte Langdistanz-Triathlon, der in Roth. In diesem Jahr nahmen ca. 3100  Einzelstarter und ca. 1000 Staffelstarter an diesem außergewöhnlichen Ereignis teil. Meine späte Entscheidung, ein drittes Mal hintereinander in der Triathlonhochburg Roth zu starten, kostete mich eine erhöhte Startgebühr,  aber ich war dennoch glücklich, das es noch geklappt hat.

Mein Ziel, in der Altersklasse M 65 einen Podiumsplatz zu erkämpfen, konnte ich mit Erfolg abschlie-ßen. Ich war geschafft aber glücklich über den gewonnenen Deutschen Vizemeister-Titel in dieser Altersklasse auf der Langdistanz.

Dabei hatte ich diesmal kein so gutes Gefühl für den Wettkampf wie in den Jahren zuvor. Nach dem diesjährigen kalten Winter kam ich mit nahezu 0 Straßen-Kilometer erst im März, bei unserem Triathlon-Trainingslager-Aufenthalt auf Mallorca, aufs Rad. Das kalte Frühjahr verführte auch nicht gerade zu langen Rad-Ausfahrten und im beheizten Schwimmbad  Weyhe waren 3 bis 4 km Schwimm-Training trotz Neo auch nicht die große Freude. Das Schwimmen im Silbersee begann erst im Juni, natürlich mit Neo, Neo-Haube und Füsslingen.

Der Termin für Roth sauste schneller heran als mir recht war. Plötzlich war der Sommer da und gleich so heiß, dass tagsüber sowohl ein  Langdistanz-Training von 4 bis 5 Stunden auf dem Rad als auch ein 2 - 3 stündiges Laufen nicht gerade motivierend war. Aber unverschiebbar war das Roth-Wochenende da und nach unserer Anreise, begann das Prozedere wie in den beiden Jahren davor.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Freitag im Race-Hotel ging es ab zum Abholen der Start-unterlagen. Noch ein paar letzte kleine Einkäufe auf der Messe tätigen und mit dem einen oder anderen Bekannten noch etwas zu fachsimpeln über Ausrüstung, Strategie am Sonntag, Wetter etc.
Die Temperaturen kletterten inzwischen auf über 35 °C im Schatten und wir sahen zu, dass wir aus der Sonne kamen. Am Abend gab es noch die traditionelle Nudelparty im aufgeheizten Zelt, dann wurde es aber auch Zeit für die Nachtruhe. Der Samstag begann mit Ausschlafen und einem genüsslichen Frühstück. Das Hotel war inzwischen gut besucht mit überwiegend ausländischen Triathleten und deren Begleitung.

Da am Samstag die Rad-Abgabe zu erfolgen hatte, begann jetzt noch im Hotel die logistische Herausforderung, alle für die drei Disziplinen benötigten Utensilien so zu verpacken, dass sie am Wettkampftag auch zur Verfügung stehen. Spätestens jetzt wurde mir  wieder bewusst, wie wichtig es war, dass ich meine Helfer dabei hatte (Fahrdienst, Logistik, Fotograf), denn das ganze Sortieren und Zurechtlegen der Ausrüstung überstieg langsam meine Konzentrationsfähigkeit. Die Rad-Abgabe erfolgte mit der Zuversicht, dass alles am Rad in Ordnung ist, denn anschließend kann nichts mehr geändert werden. Dann ging es ab zur Wettkampfbesprechung, die uns auf den nächsten Tag vorbereitete. Die Stimmung der Triathlon-Teilnehmer  stieg mit der Präsentation der Top-Ten-Athleten.
Dabei war der absolute Höhepunkt zweifellos das  Auftreten der Triathlon-Queen Chrissie Wellington, als Vorjahres-Siegerin und dreimalige Hawaii-Triathlon-Siegerin. Es war jetzt doch später geworden als gedacht, deshalb ging es auf dem direkten Weg ins Hotel um zum Abendbrot noch einen Teller mit Nudeln zu verspeisen.

Sonntagmorgen
Bereits um 3:30 Uhr klingelte der Weckruf. Ich hatte das Gefühl, gerade erst eingeschlafen zu sein.
Ein schnelles Energieriegel-Frühstück mit 2 Tassen Kaffee im Hotelzimmer genügten.
Punkt 4:00 Uhr, in der Dunkelheit der Nacht, ging es ab zum Start. Um 4:30 Uhr erreichten wir den Parkplatz am Startbereich. Die ganze Gegend um Roth war abgesperrt, der Startbereich hell erleuchtet. In Roth gibt es die Besonderheit, dass die Altersklasse 65 und älter gleichzeitig mit den Profis in der ersten Startgruppe um 6:00 Uhr startet. Also hatte ich noch eineinhalb Stunden. Einige meiner Konkurrenten waren schon da. Noch ein kleiner Plausch und dann hat jeder für sich sein eigenes Vorbereitungs-Ritual: Noch einen Energieriegel zu sich nehmen mit einer Flasche Iso, aufs Dixi, Radsachen in den Beutel für den Wechsel vom Schwimmen zum Rad. Radabdeckung abgenom-men, Helm, Brille, Radhandschuhe zurechtgelegt, Verpflegung kontrolliert. Arme und Beine einreiben, geschmeidig machen für den Neo. In den Neo hineinzwängen, Schwimmbrille, Ohrenstöpsel, Bade-kappe zum Schwimmstart mitnehmen. Die Zeit fängt an zu rasen! Jetzt noch den Zielbereichs- Kleiderbeutel packen und zur Abgabe bringen. Ein letztes Prüfen, ob der Transponder für die Zeit-messung auch richtig sitzt und dann geht's ab in den Startbereich. Jetzt gab es kein zurück mehr!  Ich stand neben den Profis. Die Atmosphäre war noch locker. Die Freigabe zum Einschwimmen erfolgte, und wir schwammen langsam an die Startlinie heran. Ein letztes Winken zu meiner Familie. Dann der Startschuss.

Auf, zu wieder einmal-- 3.8 km Schwimmen, -- 180 km Radfahren,-- 42 km Laufen.

Roth 2010 here we go!

In Roth schwimmen wir im Main-Donau-Kanal, praktisch einmal hin und wieder zurück, mit etwas Extrastrecke am Ende. Die Profis sausten davon und ich versuchte meinen eigenen Rhytmus zu finden. Chrissie Wellington benötigt ca. 50 Minuten für diese Schwimmstrecke. Ich hatte sie nach 1:34 Stunden absolviert. Vor der nach uns gestarteten Gruppe mit den schnellsten Männern musste ich mich vorsehen, denn wenn die im Pulk ankommen, dann sehen die nichts und schwimmen über mich hinweg.
Mitten im Pulk der um 25 Minuten nach mir gestarteten Frauen wurde  ich im Schwimmziel aus dem Wasser gezogen. Die Helfer stehen dazu zu viert auf jeder Seite im Wasser. Der Grund dafür ist, dass nach längerem Schwimmen, wie es hier der Fall ist, man leicht das Gleichgewichtsgefühl verliert.

Für den Wechsel zum Rad benötigte ich 8 1/2 Minuten, das ist leider weit mehr Zeit als der Durch-schnitt benötigt. Der neue Neo ging zwar leichter auszuziehen als sein Vorgänger, aber das Anziehen der Kompressionsstrümpfe und vor allem den Transponder über die Strümpfe zu ziehen, kostete mich mit den vom Schwimmen klamm gewordenen Fingern viel Zeit.

Endlich auf dem Rad. Zuerst empfand ich es recht kalt und überlegte, ob ich nicht meine Windjacke überziehen sollte. Als mich aber dann ein paar schnelle Frauen aus der nach mir gestarteten Gruppe im dünnen Renndreß überholten, war für mich die Überlegung beendet.  Mein Fotograf stand  an der Radstrecke. Das motivierte zusätzlich. Für die ersten 90 km, also der 1. Runde, hatte ich mir ein Tempo von 30 km/h vorgenommen. Da ich ununterbrochen von den schnellen, nach mir gestarteten Triathleten überholt wurde, musste ich mich wirklich auf meinen eigenen Rhytmus konzentrieren.
Das erste Stimmungsnest in Greding war relativ schnell erreicht und ich kletterte noch gemütlich den Berg hoch mit meiner 34/25 Übersetzung. Es ist doch immer wieder verwunderlich, wie schnell die Zeit beim Wettkampf vergeht. Plötzlich war auch der Solarer Berg da. Die Stimmung am Rand der Strecke war in diesem Jahr überwältigend. Das erste Stück hat Absperrgitter, da ist noch Platz zum Überholen, aber dann kam der enge Zuschauerkanal, wie bei der Tour de France, wenn es auf den Col du Tourmalet geht, da ist Überholen kaum möglich.  Viele der Zuschauer feuerten mich an, da bekam ich schon etwas Gänsehaut.
Die 2. Runde sauste zeitmäßig ebenfalls schnell dahin. Da es jetzt wärmer wurde, musste ich mehr darauf achten, genügend zu trinken. Auch meine Gel's und meine Saltsticks kamen mehr zum Einsatz. Da ich im vorigen Jahr bei km 170 Krämpfe in den Oberschenkeln bekam, fuhr ich in diesem Jahr die letzten 30 km vorsichtiger.

Nach 6:13 Stunden war ich in der Wechselzone zum Laufen.
Fliegende Radabgabe. Ein Mädel mit meinem Kleiderbeutel kam mir sofort entgegen und schon wechselten die Schuhe. Schnell hat sie mir noch den Rücken gegen Sonnenbrand eingecremt! Mütze auf und los ging's. Halt!  Ich erinnerte mich an Faris al Sultan: noch vor dem Laufen aufs Dixi gehen!  Aber dann, nach 7 1/2 Minuten (zu lange, sagt mein Team),  ging es los.
Jetzt hatte ich ziemlich genau 5 Stunden für den Marathon, um unter einer Gesamtzeit von 13:00 Stunden zu bleiben. Und es ging gut los. Die Startnummer nach vorn gedreht und dann gab es viel Anfeuerung auf der gut besuchten Laufstrecke. Mein Vorname steht auf der Startnummer und so riefen immer wieder Zuschauer : Super Gerhard, locker Gerhard, weiter so Gerhard usw. So etwas hilft ungemein.

Meine Konkurrenz und mir bekannte Teilnehmer hatte ich gut im Auge. Der in meiner Altersklasse vor mir Platzierte war ca. eine halbe Stunde voraus.  Und er war sich ziemlich sicher, dass ich ihn nicht mehr einholen werde. Nach hinten hatte ich einen Vorsprung von ca. einer Stunde, also war weiterhin mein Ziel, unter 13:00 Stunden anzukommen. Jetzt wurde es auf der Laufstrecke immer wärmer, die Temperatur bewegte sich schnell auf 30°C zu. An jeder der im Abstand von 2,5 km  vorhandenen Verpflegungsstationen  versorgte ich mich von nun an mit Wasser, Iso, Bananen, Energie-Gels und Cola. Saltsticks hatte ich noch. Jeweils eine pro  Stunde.


Bei km 34 fingen plötzlich die Waden an zu verkrampfen. Da machte ich Dehnübungen. Einer, der mich gehend überholte, sagte: "weiter Gehen", was ich dann auch tat. Die von mir vorher vereinnahmten letzten zwei Salztabletten zeigten  nach ca. 20 Minuten ihre Wirkung, oder waren es die kurz hintereinander genommenen Energieriegel? Jedenfalls ging es wieder mit dem Laufen. Locker über den Vorderfuß. Das Ziel nahte, und die neue Schleife durch die Innenstadt ließ mir die Zeit schneller vergehen. Für den letzten kleinen Anstieg bekam ich noch mal Schwung durch ermunternde Zurufe von Bekannten an der Strecke. Kurz vor dem Stadioneinlauf stand meine Familie und da war dann noch etwas Zeit, sich mit ihnen gemeinsam über das Erreichte zu freuen.

Im Ziel zeigte die Uhr 12:52:38

Das waren zwar 7 Minuten langsamer als im Vorjahr, aber der 2. Platz in der Altersklasse bei den Deutschen Meisterschaften.

Es ist schwierig zu beschreiben, welche Gedanken einem im Laufe eines solchen Tages durch den Kopf gehen. Jedenfalls ist die Wettkampfzeit erstaunlich schnell vergangen. Der folgende Tag mit der Siegerehrung gehört als persönlich Geehrter sicherlich zu den bewegensten Momenten, vor allem bei dem Ambiente in Roth. Zum Schluss der Siegerehrung gab es noch den emotionalen Höhepunkt dieser Veranstaltung: das war die Ehrung für die neue Fabel-Weltrekordzeit von Chrissie Wellington in
8:19:13 Stunden! Die Frage ist sicherlich, was sind Frauen im Ausdauerbereich in der Lage noch zu leisten?

Mit meinen dicken Waden haben wir dann am späten Nachmittag die Stadt Roth verlassen.
 
Euer Gerhard

 

Name

 

AK

Platz ges

Platz AK

3,8 km Schw

 

180 km Rad

 

42,2 km Laufen

 

Gesamtzeit

Rettke

Christian

TM30

1249

253

01:11:49

 

05:39:07

 

04:18:56

 

 11:16:20

Neye

Gerhard

TM65

2085

4

01:32:27

 

06:13:06

 

04:51:18

 

 12:52:38

 


Anlage (PDF): Roth.pdf

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