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20.05.2012 - Knastmarathon in Darmstadt

 

Streckenrekord im Gefängnis

Stuhr (el). Den zehnten Marathon-Gesamtsieg seiner Läuferkarriere feierte Oliver Sebrantke (LC Hansa Stuhr) hinter Schloss und Riegel. Beim Darmstädter Knastmarathon, durchgeführt auf einer 24mal zu durchlaufenden Runde von 1,758 km in der JVA Darmstadt, verbesserte Sebrantke den Streckenrekord um rund neun Minuten auf 2:38:23 Stunden.

 

„Die Laufstrecke war schon sehr speziell, mit vielen 90 Grad und sogar einer 180 Grad-Kurve“, beschreibt Sebrankte sein jüngstes Laufabenteuer, an dem unter den gegebenen Umständen nur wenige Zuschauer teilhaben konnten. Auch beim Kampf um den Streckenrekord war der Stuhrer auf sich allein gestellt, Bei hochsommerlichen Temperaturen unterbot Sebrantke als einziger der rund 120 Starter die Drei-Stundenmarke.

Quelle: Weser Kurier/Syker Kurier vom 23.05.2012

 

 

Bericht vom Knasti Olli

Sebrantke im Knast, aber dennoch glücklich !

So oder so ähnlich könnte es in den nächsten Tagen in der Zeitung heißen. (Christiane ich zähl auf dich.) Denn gestern war es mal wieder soweit. Für meinen mittlerweile 27. Marathon habe ich mir wie immer ein sehr bescheidenes Ziel gesetzt. Ich hatte mir vorgenommen beim Knastmarathon in der JVA Darmstadt den Sieg und den Streckenrekord zu holen, der im letzten Jahr mit 2:47 Minuten aufgestellt wurde. Auch wenn ich es schon 22 mal geschafft habe diese Zeit zu unterbieten, wußte ich, dass man dieses Vorhaben nicht auf die leichte Schulter nehmen durfte und ein Marathon nie ein Selbstläufer ist.

Im Knast ist die Laufstrecke natürlich sehr speziell. Eine Runde von 1,758 km ist 24 mal zu durchlaufen, damit man auf die Marathonstrecke von 42,195 km gelangt. Die Strecke entlang innerhalb der Knastmauer hat sehr viele 90 Grad Kurven nach 800 Metern sogar eine 180 Grad Kurve und dann ging es auf der selben Strecke wieder zurück. Man kommt also 48 mal an den selben Zuschauern (jeder Teilnehmer durfte nur einen Zuschauer mitbringen) und Insassen (diese durften Blockweise 1 Stunde zuschauen und einige auch mitlaufen) vorbei. Sicherheit wurde sehr groß geschrieben, so durfte man z.B. keine Handys oder Fotoapparate mit in die Anstalt nehmen. Als ich morgens vor den Knastmauern stand, war klar, dass das Gefängnis kein Ort zum Spaß haben ist. Aber dafür war ich doch eigentlich hier !?! Die Eingangskontrolle war sehr streng und nahm ca. 30 Minuten ein. Jeder Teilnehmer (kein Eintrag im Strafregister und gültiger Personalausweis vorausgesetzt) wurde einzeln durchsucht. Hier wurde ich von einem Wärter gefragt, ob ich irgendwelche Waffen oder Drogen dabei hätte. Meine lockere Antwort: „Meine Waffen sind meine Beine !“ fand er irgendwie gar nicht so lustig und ich blickte nur in eine versteinerte Miene. Anschließend wurde ich mit 20 anderen Läufern in einem Raum geführt und wir mußten uns im 50 cm Abstand im Kreis auf Bänke setzen. Ich fühlte mich schon selber wie ein Sträfling. Jetzt kamen die Hunde, die uns von oben bis unten beschnüffelten (und ansabberten !!! L ) Als Läufer sind Hunde meine potenziellen Feinde, denn zu oft habe ich schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht. Ich hielt die Luft an, blieb stocksteif sitzen und alles ging zum Glück gut. Jetzt erst wurden wir in den Innenhof gelassen und ich konnte mit meiner Marathonkonzentration und -vorbereitung beginnen. Der Start sollte um 10 Uhr sein, wurde aber aufgrund noch andauernder Teilnehmerkontrollen nach hinten verschoben. Eigentlich ist mir so etwas egal, aber da das Thermometer schon über 20 Grad anzeigte machte ich mir ein wenig Sorgen, dass ich die Mittagshitze noch voll abbekommen werde. So war es dann leider auch. Bei meinem Zieleinlauf waren es 28 Grad. Der Betonboden und die hohen Knastmauern ließen die Veranstaltung in einem glühendem Kessel stattfinden.

Aber erstmal zurück an den Start: Der Startschuss fiel und ich setze mich (so wie ich es am liebsten habe) sofort hinter das Führungsfahrrad. Schon nach der ersten Wende konnte ich sehen, dass ich keine wirklichen Verfolger haben werde und es ein Kampf gegen mich selber, die vielen Kurven, die Hitze und die Uhr wird. Von einigen Insassen hörte man tolle Anfeuerungsrufe aber von anderen auch manchmal einfälltige dumme Sprüche. Hier wurden wirklich alle klischees erfüllt. Muskelbepackte Männer mit vielen Tätoowierungen und rauer Stimme. Bei so einem Lauf spielt der Kopf eine wichtige Rolle. Der blieb bei mir aber das ganze Rennen über kühl und ich konzentrierte mich auf meine Aufgabe, den Streckenrekord. In 2:38:23 überquerte ich die Ziellinie und pulverisierte ihn damit. Mein zehnter Marathon Gesamtsieg war damit etwas ganz besonderes für mich. Die letzten 7 km mußte ich allerdings sehr kämpfen und mich richtig quälen. Meine Oberschenkel fühlten sich an, als wenn sie durch das ewige abstoppen und wieder Gas geben aufplatzen würden. Mit meiner Zeit bin ich sehr zufrieden und hoffe dass der Rekord einige Zeit halten wird, denn wenn nicht, muß ich mir dieses schwere Rennen nochmal antun und auf niedrigere Temperaturen hoffen.

Damit ist die Frühjahrsmarathonsaison für mich erfolgreich beendet. Der Marathon ist tot, es lebe der Triathlon. Ich freue mich schon darauf den ersten Triathlon in diesem Jahr mit euch am nächsten Samstag in Bokeloh als Team zu bestreiten, auch wenn ich da wahrscheinlich noch nicht volle Leistung bringen werden kann.

 

 

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