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31.12.2012 - "Einfach märchenhaft"

 

Christiane Golenia und Oliver Sebrantke schreiben ein besonderes Kapitel der Erfolgsgeschichte des   LC Hansa Stuhr

                                         Einfach märchenhaft

 

In einer Welt der Fabelweltrekorde und Traumergebnisse ist es wenig verwunderlich, dass in einem guten Sportjahr auch entsprechende Sportlermärchen geschrieben werden. Für ein außergewöhnliches Kapitel dieser Sammlung haben in dieser Saison zwei Stuhrer gesorgt: Christiane Golenia und Oliver Sebrantke. Die beiden Ausdauerspezialisten vertraten nicht nur ihren Heimatverein, sondern gleich ein ganzes Land – und wurden dabei Welt- beziehungsweise Europameister.

Stuhr. Dass die Sportler des LC Hansa Stuhr – ganz egal welchen Alters und welcher Disziplin – reihenweise Erfolgserlebnisse zu bieten haben, ist kein Geheimnis. Dass sie dabei auch auf nationaler Ebene nicht mit Titeln geizen ebenfalls – mitunter bekommt sogar die ausländische Konkurrenz eine Kostprobe des Könnens der Nord-Kreisler. Eine Ballung der internationalen Glanzpunkte, wie es sie im vergangenen Spätsommer gegeben hat, ist dann aber auch für die Stuhrer neu. Binnen weniger Tage trumpfte erst Vielstarter Oliver Sebrantke und anschließend Christiane Golenia derart imponierend auf, dass sie jeweils hochdekoriert nach Hause kehrten.

Den Auftakt machte Oliver Sebrantke, als er Ende August in Zittau bei den Leichtathletik-Europameisterschaften der Senioren nicht nur ein Mal Gold im Marathon gewann, sondern gleich zwei Titel der Altersklasse M35 sein Eigen nennen durfte. Ein Erlebnis, dass der 36-Jährige verständlicherweise nicht so schnell vergessen wird: "Ich habe ja schon einige Male ganz oben auf dem Treppchen gestanden, aber bei der Nationalhymne musste ich dann doch schlucken", gestand der Stuhrer Langstreckler. "Das war der emotional ergreifendste Moment, mir schlotterten die Knie."

                                                                          Über die Grenzen hinaus

Dabei hatte anfangs aber auch gar nichts auf den späteren Siegeszug hingedeutet. Die Konkurrenz hatte mit starken Zeiten gemeldet, eine Position unter den Top 20 hätte Sebrantke durchaus zufriedengestellt. "Im Nachhinein sieht es aber so aus, als hätten einige Starter ihre Wunschzeiten gemeldet", verriet er schmunzelnd. Auf der Strecke hatte der Athlet des LC Hansa jedenfalls nicht nur die besseren taktischen Argumente, sondern auch die besten Beine (2:37:33 Stunden). Schließlich eilte Oliver Sebrantke zu einem Titel, "an den ich nie gedacht hatte, ihn erreichen zu können. Aber Überraschungssiege sind bekanntlich die schönsten." Neben dem Einzel-Gold gab es als Sahnehäubchen noch den Sieg mit der Mannschaft.

Ähnlich glückselig war Christiane Golenia in der ersten Septemberwoche. Erstmals wagte sie sich im Duathlon an das Abenteuer Zofingen, dem wohl weltweit härtesten Wettbewerb in dieser Disziplin. Bereits die Deutsche Meisterschaft in Falkenstein war zuvor ein echtes Erlebnis gewesen, was ihr nun jedoch in der Schweiz widerfuhr, war noch einmal ein paar Stufen extremer. Im Verlauf des Rennens mit zwei Zehn- beziehungsweise 30-Kilometer-Läufen und einer 150-Kilometer-Radetappe musste Golenia nicht nur an ihre Grenzen gehen, sondern darüber hinaus. "Die letzten Laufkilometer fielen mir wirklich schwer. Bergablaufen wurde fast ebenso schwierig wie bergauf", erinnerte sie sich. "Auch die Athleten um mich herum kämpften, gegenseitig munterte man sich auf und sprach sich Mut zu."

Die Motivation wirkte, mit einer Gesamtzeit von 8:41:00,3 Stunden erreichte die Stuhrerin das Ziel. Dort durfte sie sich nicht nur zum Weltmeistertitel in der Altersklasse W50 beglückwünschen lassen, sondern auch zu ihrer Platzierung in der Gesamtwertung. Als eine der ältesten Starterinnen überhaupt gelang ihr ein sensationeller 20. Platz. "Es war das mit Abstand anstrengendste Rennen in meinen vielen Wettkampfjahren – und das erfolgreichste. Das ist für mich nicht mehr zu toppen", gestand Christiane Golenia später. Im Zielkorridor brachen schließlich alle Dämme – und zwar bei nahezu allen Beteiligten. "Als Zuschauerin habe ich schon viele bewegende Zieleinläufe gesehen. Jetzt weiß ich selbst, wie es ist", erzählte sie, "die Anspannung fällt ab, die Erschöpfung macht sich breit. Und dann ist da eine unglaubliche Freude, die Gefühlswelt steht Kopf. Da wird geweint, gelacht, und auch gefeiert." Ganz so, wie es sich für das Ende eines guten Märchens gehört...

 

Weser Kurier/Syker Kurier vom 31. 12. 2012 (Malte Bürger)

 

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