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26.6.-02.07.2016 - Transalp 2016

 

Vor drei Jahren habe ich meine erste Rennrad Alpenüberquerung gemacht. Ich war sofort Alpen-infiziert. Danach wurde ich gefragt, ob ich nicht auch mal die Transalp, das größte Jedermann Etappenrennen durch die Alpen fahren wolle. Ich habe nein gesagt, weil ich Radrennen nicht mag und wenn ich in den Bergen bin, dies genießen will. Was soll ich sagen, dieses Jahr war ich bei der Transalp.

 

Hätte ich vorher gewusst, was mich erwartet, Ich hätte es mir vielleicht überlegt... Vielleicht auch nicht.

 

Es ist einfach verdammt anstrengend. 7 Tage Wettkampf. Man hat mit Egoisten und vielen schrägen Typen zu tun... Und sicher haben das auch einige Mitfahrer von mir gedacht. Man ist in einer anderen Welt. Die meiste Zeit ist das Blut in den Beinen, für den Kopf bleibt da nicht genug... Da müssen die Grundfunktionen für Konzentration auf das Wesentliche erhalten werden. Bergauf mit hunderten anderen, wer fährt wo, hält der vor mir die Spur? Man wird geschnitten, schnelle Abfahrten in großen Gruppen, nicht stürzen, Gruppe für Windschatten finden, klug den Berg und Anstieg einteilen... usw. An den täglich zwei Verpflegungsstellen herrschte Ausnahmezustand, Höflichkeiten vielen da manchmal hinten runter.

 

Einige Male habe ich fotografiert, aber oft hatte ich dafür und für die Gegend keinen Kopf, die Aufmerksamkeit ging oft auf die paar Meter vor mir... Ich hab mich sogar manchmal gefragt, wo und was am Vortag war... und welcher Wochentag ist überhaupt? Der Tagesrhythmus ist sehr schnell erklärt. 7 Uhr Gepäck abgeben, Frühstück, Rad und Verpflegung klar machen, Tagesetappe fahren, Hotel suchen, duschen, Siegerehrung und Pastaparty, schlafen… Das ganze dann eben 7 Mal.

 

Das klingt jetzt alles nicht besonders positiv... Aber es war genial!

 

Es ist kein Entspannungsurlaub oder lockeres Radeln, dem Wettkampf kann man sich nicht entziehen! …auch, wenn ich das gedacht habe. Aber es gibt diese besonderen Momente... Gespräche, Witze, das Glänzen in den Augen bei den Mitfahrern, die unterschiedlichen Motivationen. All der Stress... Für mich ist das der große rote Reset-Knopf vom Alltag. Welchen Platz Jiri (mein Teampartner) und ich gemacht haben? Es war und ist uns nicht wichtig. Das Prinzip ist, dass ausschließlich in 2er-Teams gefahren wird und immer die langsamere Einzelzeit des Teams in die Tageswertung geht. Gesamt, Agegroup… es war uns wirklich egal… Ähm, dass wir uns jeden Tag (teilweise zweistellig) hochgearbeitet haben und am Ende in unserer Kategorie den 92. Platz von 134 Startern (Gesamt 260. Platz von ca. 450 Teams) gemacht haben, war dann doch nicht so egal und hat bei der einen oder anderen Etappe motiviert. Zwei norddeutsche Bergziegen eben. Man muss noch erwähnen, dass in unserer Kategorie Masters 134 Teams gestartet sind und nur 120 auch angekommen sind. Mal war es naß und viele sind gestürzt (ich hab noch nie so viele Schürfwunden auf einem Haufen gesehen), mal haben sich die Teams auch einfach überschätzt und kaputtgefahren… Das Rennen geht eben 7 Tage.

 

Und wo ging es eigentlich lang? Start war zum ersten Mal nicht in Deutschland sondern in Österreich in Imst. Über ein paar Pässe (Kühtaisattel, Brenner) und Brixen ging es direkt für drei Etappen in die Dolomiten (Sellaronda, Pordoijoch, Passo di Giau). Sehr schön, hier war ich bisher noch nicht und es ist eine grandiose Gegend. Bis auf den ersten Tag hatten wir absolut gutes Wetter, kleine Schauer bei warmen Temperaturen ausgenommen. Dann ging es in die Prosseco-Region und am 6. Tag kam die Königsetappe mit 140 km und 3.200 hm über den Monte Grappa und die Cima del Campo, um am letzten Tag in Riva del Garda am Gardasee anzukommen. Es waren nicht besonders viele berühmte Pässe, aber unglaublich schön und so einige kleine Pässe hatten es richtig in sich. Nicht selten war der komplette Pass im Mittel bei 10% Steigung und einige Rampen haben die Neigung auch auf 15% steigen lassen.

 

Ich bin das zweite Mal auf einem Rennrad in Riva Del Garda eingerollt und ich hatte wieder feuchte Augen und diesen Kloß im Hals. Auch wegen dem See... aber viel mehr vor Glück. Glück, weil ich gesund und fit bin, um dies zu tun. Weil ich die verdammt teuren Gebühren bezahlen kann und weil ich Menschen um mich habe, die meine „kleinen Abendteuer“ unterstützen. Bei den langen Anstiegen hat man viel Zeit und mir ging einige Male einfach nur eins durch den Kopf:  „Living the Dream“. Ja, genau das mache ich! Berge, Rennrad, und das ganze mit Jiri - einem guten Freund - teilen. Abends mit Dörthe über die Erlebnisse sprechen. Es ist einfach traumhaft.

 

Okay, noch ein paar Eckdaten:

7 Etappen, 900 Kilometer und 20.000 Höhenmeter in 40:22:43 Stunden (Netto: 38:59:31), über 40.000 verbrauchte Kalorien und ein Ersatzschlauch.

 

Jedem, der Berge und Rennrad mag, kann ich diesen Event nur empfehlen. Er ist unglaublich gut organisiert. Nicht nachdenken, einfach anmelden und machen! (Florian)

 

Kategorie Masters
Platz / Zeit Gesamt   1. Etappe          2. Etappe          3. Etappe          4. Etappe        5. Etappe           6. Etappe         7. Etappe
92 / 40:22:43             118 / 6:29:54    102 / 5:55:00     95 / 5:39:32      87 / 5:42:29    103 / 5:52:54      81 / 6:24:27     61 / 4:18:25

 


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