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14.09.2017 - ITU World Triathlon Grand Final Rotterdam

 

Die Triathlon Weltmeisterschaft 2017 über die Olympische Distanz in Rotterdam letztes WE war eine tolle WM mit einem sehr speziellen Rennen: Schwimmen im größten Hafen Europas, die verrückteste Radstrecke, die ich in meinem Triathlonwettkämpfen bislang gefahren bin, der logistisch komplizierteste und einer der aufregendsten Triathlons, den ich  ins Ziel  gebracht habe.

Die Fahrräder standen auf einer Wiese am linken Uferrand der Maas, die Schuhe auf der anderen der rechten Seite des Flusses. Es gab enge Fristen über zwei Tage, wo man wann und was hinzulegen bzw. nicht hinzulegen hatte. Dazu gab es jede Menge Beutel, die es zu füllen galt und mit Wassertaxis hin und her gefahren wurden.

Für den WM-Sprint gab es Windschattenfreigabe, für die WM-Olympische Distanz nicht. Ich hatte aus welchen Gründen auch immer, dies anders herum gelesen und mein Zeitfahrrad, mit dem ich alle Rennen des Jahres gefahren bin, zuhause gelassen und mein normales Rennrad mitgenommen, weil nur das beim Windschattenfahren in der Gruppe erlaubt war. Also nun über die Olympische Distanz ohne Windschattenfreigabe mit Rennrad. Sollte ich da nicht gleich wieder nachhause fahren? Da die immense Startgebühr bezahlt, die Anreise getätigt und eine Ummeldung nicht mehr möglich war „wird das Rennen jetzt auch gefahren“, dachte ich mir. Einige klopften mir sogar auf die Schulter, dass ich bei dieser Radstrecke auf engen Fahrradwegen, unzähligen Kurven, Schwellen und Kopfsteinpflastern die richtige Entscheidung getroffen hätte. Außerdem war ich nicht der einzige, der das falsche Fahrrad mitgenommen hatte (und das zum Saisonhöhepunkt  - der Weltmeisterschaft ).

Dazu die äußeren Bedingungen. Die Eröffnungsparade am Donnerstag fiel wegen Regen ins Wasser. Freitag und Samstag regnete es fast ununterbrochen. Am Sonntagmorgen schien Gott sei dank die Sonne. Die Wassertemperatur im Hafen lag bei flauschigen warmen 16 Grad, die Lufttemperaturen 10 Grad im Schatten.

Der Kollege Hendrik Becker, nach einer Top Leistung WM Bronzemedaillengewinner in Rotterdam in seiner AK  beschrieb es sehr treffend in seinem Blog nach dem Rennen: „Als ich um 6 Uhr morgens den Helm und Schuhe am Fahrrad präpariere und mit der Unterhose die angefrorenen Wassertropfen von meiner Carbonfelge abwische, sehe ich den Atem kondensieren und frage mich, ob ich noch ganz bei Verstand bin gleich halbnackt mit Einteiler durch Rotterdam zu bügeln.

Da mein Start sich um eine halbe Stunde verzögerte, hatte man genug Zeit auf dem Ponton im Neoprenanzug eingehüllt, die anderen 80 Teilnehmer der Kategorie 60 + (d.h. bis 64) kennenzulernen. Der Moderator war unentwegt dabei die niederländische Triathlonlegende Rob Barel (erster Titel 1982, Olympiateilnehmer 2000 für Holland in Sydney, Long Distanz Weltmeister 1994, usw.) anzukündigen. 60 Jahre sei er alt und „wer gewinnen wolle, müsse an ihm vorbei“, und das würde ja wohl keiner schaffen.

Zum Start schien die Sonne von vorne mit voller Kraft aufs Wasser und ich mit meiner unverspiegelten Schwimmbrille konnte nur ungefähr ahnen, wo die Bojen, obwohl riesig und knallrot, wohl sein könnten. Egal dachte ich mir, du wirst eh hinter der Meute her schwimmen und dann schon merken wo es rechts oder links abgeht.

Da war der Vater Wunsch des Gedankens. Die Meute war ganz schnell außer Sichtweite immer hinter Rob her. Der kam nach 21 Minuten über die 1.500 m aus dem Wasser direkt dahinter Alfi Caprez die Schweizer Triathlonlegende. Die Profis um Gomez und Brownlee waren am Vortag nur um 2 Minuten früher aus dem Wasser gekommen. Während die beiden und das Hauptfeld schon über die Erasmusbrücke heizte badete ich noch bei irgendeiner Boje.

Sage und schreibe ein Kilometer vom Wasser bis zum Rad galt es laufen. Dabei konnte ich einige Briten und Amerikaner überholen. Die Wechsel waren ok. Doch dann ging es die 40 km an den Rändern von Rotterdam zu radeln und dabei irgendwie die Spur zu halten.

Die Sonne schien mittlerweile prächtig. Ich überholte einige Frauen aus Mexiko und Trinidad aus der Startgruppe vor mir und mich überholte keiner. Ich lag wohl schon weit genug hinten.

Für die abschließenden 10 Kilometer Laufen hatte ich noch genug Power und sammelte nun wieder Briten, Mexikaner, Dänen, Kanadier, Australier und Amerikaner ein. Das machte mir wieder Mut, und ich konnte über die letzten Kilometer bis zum Ziel sogar nochmal Gas geben.

Nachdem ich die beiden Triathlonlegenden Rob (Weltmeister) und Alfie (Vize) hinter dem Zielbereich im Trainingsanzug, (wahrscheinlich) schon frisch geduscht und von ihren Frauen umsorgt erblickte, war mir klar, dass dies a) heute nicht mein bester Tag war, b) in der Weltspitze auch bei 60 +  fantastische Leistungen erbracht werden, c) man bei einer WM super Sportler trifft und viel lernt, d) trotz eines enttäuschenden 45sten mir das Rennen und die Tage in Rotterdam ganz viel Spaß gemacht haben und e) obwohl meine 9 Triathlons, Duathlon´s und nochmal genauso viele 10 km Rennen in Bremen, Niedersachsen und um zu in diesem Jahr erfolgreich verliefen, die WM 2017 in Rotterdam von einem anderen Stern war.

In diesem Sinne machten die Frauen der schnellen Jungs um Rob und Alfie noch ein paar Fotos von uns und wir verabredeten uns für 2018 zu den nächsten WM´s/EM´s in Glasgow, Odense oder sonst wo auf der Welt. (Uli)

 

 

 

 

AK-Platz Name AK 1500 m swim T 1 40 km bike T 2 10 km run Zeit
45 Mix, Uli TM 60 00:31:32 00:05:51 01:13:30 00:02:48 00:42:44 02:36:22










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