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30.12.2017 - Sportlerwahl 2017 im Landkreis Diepholz

 

Das Lauffeuer ist neu entfacht


EM-Dritte und Zweite bei Hamburger Ironman-Premiere – Golenia erlebte ein starkes Triathlon-Jahr


Von Daniel Wiechert

Syke. Das Senatsgebäude mit den Granit- und Sandsteinwänden und dem kupfergedeckten Dach wackelt, die Bilder des Zieleinlaufs auf dem Hamburger Rathausmarkt sind verschwommen. Denn etliche Tränen fließen, als es Christiane Golenia nach 12:02:20 Stunden geschafft hat. „Was auf der Zielgeraden passiert, ahnt man vorher nicht“, sagt die 58-Jährige: „Aber wenn eine Frau happy ist, darf sie auch mal weinen!“

Und sie hatte wahrlich allen Grund zu diesem Gefühlsausbruch. Golenia absolvierte die Ironman-Distanz von 3,8 Kilometer Schwimmen, 182 Kilometer (zwei mehr als üblich wegen einer Baustelle) Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen in einer starken Zeit, die am Ende für den zweiten Rang ihrer Altersklasse reichte.

Dabei war die Vorbereitung auf die Premiere in der Hansestadt alles andere als optimal gewesen. Nie sei die Athletin des LC Hansa Stuhr (Tri-Wölfe) im Vorfeld 3,8 km geschwommen, nur einmal habe sie die 182 Kilometer auf dem Sattel verbracht. Umso glücklicher war sie mit dem Resultat: „Ich habe in Hamburg mehr erreicht, als ich gedacht hätte.“

Zu Jahresbeginn war damit tatsächlich nicht zu rechnen gewesen. Aufgrund eines Autounfalls ging es schleppend los, die Europameisterschaft im Juni sei dann „ein Sprung ins kalte Wasser gewesen“, sagt Golenia zum Wettkampf im dänischen Helsingör. Doch Golenia spielte ihre jahrzehntelange Erfahrung („Ich habe schließlich schon einige Lebens-Kilometer gesammelt“) aus, kam nach 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21,1 km Laufen als Dritte (5:34:11 Stunden) ins Ziel. EM-Bronze! Und das bei ihrem ersten Wettkampf im Meer. Die Wellen seien gar nicht so problematisch, eher die wirre Streckenführung quer durch das Hafenbecken sei tückisch gewesen. „Durch die vielen Richtungswechsel habe ich irgendwann die Orientierung verloren“, erklärt Golenia, die ohnehin in dieser Disziplin Luft nach oben sieht: „Dort habe ich noch die größten Reserven, dort lerne ich immer noch hinzu.“

Das Laufen ist für Golenia hingegen seit jeher ein bekanntes Terrain, wenngleich die ehemalige Duathlon-Weltmeisterin zeitweise etwas aus dem Tritt geraten war. „Ich hatte ein bisschen den Spaß am Laufen verloren“, gibt Golenia zu. „Dieser ist erst durch das abwechslungsreiche Training von Achim Schattmann zurückgekommen.“

Der Diplom-Pädagoge und A-Trainer der Deutschen Triathlon Union weckte bei Golenia neuen Tatendrang; denn im September 2012 hatte die Sykerin noch verkündigt, „dass es jetzt wirklich an der Zeit ist, zwei Gänge zurückzuschalten“. So sei tatsächlich der Plan gewesen, betont sie jetzt noch einmal: „Ich hatte im Duathlon alles erreicht. Trotzdem war ich immer auf das Treppchen programmiert. Davon wollte ich mich verabschieden.“ Ein Jahr lang habe sie „gar nichts“ gemacht, dann fand sie zum Triathlon. Ihr sportlicher Treibstoff ist jedoch ein anderer geworden: „Meisterschaften und Siege interessieren mich nicht mehr, es geht um das Erlebnis.“

So eines könnte auch der Ironman auf Hawaii sein, der sakrale Ort dieser Sportart. In Hamburg verpasste Golenia nur äußerst knapp den Slot für den Höhepunkt auf der zentralpazifischen Insel. „Ich wäre aber auch nicht hingeflogen“, betont die Ausdauerathletin ob der Terminhatz der vergangenen Wochen.

Überhaupt fremdelt sie noch etwas mit dem ältesten Langdistanz-Triathlon. „Die Materialschlacht, die dort herrscht, ist nicht mein Fall“, sagt Golenia, die für 2018 den Ironman im französischen Vichy fest im Kalender stehen hat. Und falls dort das Hawaii-Ticket herausspringen sollte, würde sie doch noch einmal neu darüber nachdenken, 2019 auch in Kailua-Kona zu starten.

 

Quelle: Kreiszeitung vom 30.12.2017

 

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Tri-Wölfe - die Triathlonabteilung des LC Hansa Stuhr